Geduld und Stärke aus dem Glauben

06.09.2026

Am Sonntag, 6. September 2026, diente Apostel Reto Keller den Gemeinden Oberwinterthur, Elgg und Rorbas in der Kirche Oberwinterthur (Bezirk Winterthur). Er diente mit dem Bibelwort aus Jakobus 5, 8: Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. In diesem Gottesdienst bekam ein Kind die Heilige Versiegelung.

Zu Beginn des Gottesdienstes ging Apostel Keller auf das Chorlied „Ich, der Herr von Erd und All …“ mit dem Refrain „Ich bin hier, Herr, meinst du mich, Herr?“ ein. Er stellte die Frage: Sind wir wirklich im Haus des Herrn angekommen – nicht nur körperlich, sondern auch mit dem Herzen?

„Ich bin hier, Herr. Meinst du mich?“ – Ja, er meint dich ganz persönlich. Gottes Schöpfung, sein Evangelium, sein Wirken und seine Zukunftspläne gelten nicht nur der Menschheit als Ganzes, sondern dir persönlich. Seine Botschaft, seine Nähe und seine Hilfe gelten jedem Einzelnen. Gott ist gegenwärtig – im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist. Wir dürfen seine persönliche Berührung erfahren. „Der Herr denkt an uns und segnet uns.“ Wenn wir für einen Moment Abstand von den Sorgen des Alltags gewinnen, können wir uns auf seine Fürsorge einlassen. Er ist gegenwärtig und spricht zu dir und zu mir. Manches braucht Zeit. Wie im natürlichen Leben müssen Dinge reifen, bevor eine gute Entwicklung entsteht. Dazu sagt Jakobus 5,8: „Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen, denn das Kommen des Herrn ist nahe.“ Jakobus nennt dazu das Beispiel des Bauern: „Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.“ Dieses Bild zeigt, was es während Aussaat, Entwicklung und Reife braucht. Der Bauer kann säen, vorbereiten und vorsorgen, hat aber auf Wetter und Reifeprozess nur begrenzten Einfluss. Er muss auf den Frühregen und den Spätregen warten. Deshalb braucht er Geduld und Hoffnung.

Auch in unserem Leben gibt es Dinge, die reifen müssen. Wir würden gerne einen Schalter umlegen und eine Not wäre vorbei, eine Sorge gelöst oder eine Bedrängnis verschwunden. Doch alles braucht seine Zeit. Wie der Bauer auf die Ernte wartet, dürfen auch wir darauf vertrauen, dass sich Dinge entwickeln und zur richtigen Zeit reifen. Die Überschrift dieses Kapitels lautet „Mahnung zur Geduld“. Vielleicht dürfen wir sie auch als liebevolle Empfehlung verstehen: Sei geduldig und achte darauf: Da ist einer, der dich begleitet. „Ich, der Herr von Erd und All“ – er kennt deine Situation und weiss, wo du stehst. Gerade in Zeiten, in denen sich Dinge nicht so entwickeln, wie du es dir wünschst, begleitet er dich. Geduld bedeutet dabei nicht nur, schwierige Zeiten auszuhalten. Sie darf auch Vorfreude beinhalten: Die Gewissheit, dass die Ernte kommt. Diese Haltung dürfen wir auch beim Kommen des Herrn, bei der Wiederkunft Jesu Christi, haben. Sie bleibt der Kern unseres Glaubens und unsere Hoffnung auf den nächsten Schritt im Heilsplan Gottes.

Anschliessend beleuchtete der Apostel in seiner Predigt die Vielschichtigkeit der Geduld:

  • Geduld in Verhältnissen
    Manche schwierigen Situationen können wir nicht sofort verändern. Dann gilt es, sie durchzustehen und manchmal auch etwas zu durchleiden. Dabei dürfen wir einander helfen, tragen und ein offenes Ohr füreinander haben. Es ist ein wunderbarer Auftrag, füreinander da zu sein. Geduld in den Verhältnissen bedeutet, Dinge reifen zu lassen und manches beherrscht zu ertragen. Das ist nicht einfach. Doch wir dürfen darauf vertrauen: Gott stärkt dich in deiner Geduld und begleitet dich durch deine Verhältnisse.

  • Geduld gegenüber anderen
    Schön ist es, wenn wir Geduld miteinander haben – in der Familie, in der Gemeinde, am Arbeitsplatz und mit unseren Mitmenschen. Jesus Christus hat uns diese Haltung vorgelebt: Mit Sanftmut unterwegs und immer wieder zur Versöhnung bereit zu sein. Geduld mit anderen hat auch damit zu tun, welche Erwartungen wir aneinander haben. Vielleicht hilft uns ein einfacher Grundsatz: Etwas mehr bieten als fordern. Wie viel wird manchmal erwartet und verlangt. Doch Gemeinschaft braucht Kraft und Verantwortung. Wo Menschen miteinander leben und glauben, braucht es ein geduldiges und achtsames Miteinander.

  • Geduld mit sich selbst
    Oft gehen wir hart mit uns ins Gericht: Mache ich das richtig? Warum kann ich das noch nicht? Müsste ich nicht schon weiter sein? Auch mit zunehmendem Alter können neue Herausforderungen entstehen, wenn manches nicht mehr so leicht gelingt oder das Gedächtnis nachlässt. Schnell werden wir dadurch ungeduldig mit uns selbst. Darum die herzliche Aufforderung: Seid nicht so hart mit euch selbst. Habt Geduld mit euch selbst. Wie es bei Sirach heisst: „Betrübe dich nicht selbst mit deinen eigenen Gedanken“ (Sirach 30, aus 21). Manches braucht einfach Zeit. Geduld mit sich selbst bedeutet, sich nicht selbst zu entmutigen.

  • Geduld aus dem Glauben
    Im Jakobusbrief, Kapitel 1, Vers 3, heisst es: „Und wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt.“ Aus dem Glauben heraus wächst Geduld. Die Heilige Schrift gibt uns dafür wunderbare Beispiele. Petrus und die Jünger verstanden vieles nicht. Als Jesus fragte: «Wollt ihr auch noch gehen?», antwortete Petrus: «Herr, wohin sollen wir gehen? Du allein hast Worte des ewigen Lebens.» Sie blieben – auch wenn sie nicht alles verstanden. Auch wir verstehen im Glauben vielleicht nicht immer alles. Trotzdem dürfen wir geduldig bleiben und darauf vertrauen, dass die Lehre Jesu Christi wahr ist.
    Simeon wartete jahrzehntelang auf den Messias. Schliesslich durfte er Jesus im Tempel sehen – und die Verheissung und seine grosse Hoffnung wurde erfüllt.
    Auch Noah vertraute seinem Auftrag. Er baute die Arche, obwohl weit und breit kein Wasser zu sehen war und er verspottet wurde. Doch aus dem Glauben heraus führte er seinen Auftrag geduldig und treu aus.

Stärkt eure Herzen
Im Jakobusbrief finden wir die schöne Empfehlung: „Und stärkt eure Herzen.“ Wenn wir einen Arzt fragen würden, was dem Herzen guttut, würde er vermutlich Bewegung, frische Luft, gute Ernährung und möglichst wenig negativen Stress empfehlen, führte Apostel Keller aus. Auch das Haus des Herrn ist ein Ort, an dem wir durchatmen und neue Kraft schöpfen können. Dabei geht es nicht nur um äusserliche Bewegung, sondern um die Bewegung des Herzens. Wie schön, wenn uns ein Gottesdienst, ein gutes Gespräch oder ein Seelsorgegespräch innerlich bewegt und berührt. „Stärkt eure Herzen“ bedeutet auch: Lasst euch im Herzen bewegen und berühren. Wir dürfen uns fragen: Was muten wir unserer Seele zu? Was nehmen wir in uns auf? Womit beschäftigen wir uns? All das beeinflusst unsere unsere Seele und unseren Glauben. Manchmal setzen wir uns selbst unter Druck, weil wir uns mit zu vielem beschäftigen – auch mit geistlichen Fragen, die uns belasten. Dann dürfen wir uns fragen: Brauche ich das wirklich? Durch den Heiligen Geist können wir unterscheiden: Was tut mir gut? Was brauche ich nicht? Auch Geduld kann aus einer bewussten Entscheidung des Glaubens heraus entstehen.

Seid auch ihr geduldig, stärkt eure Herzen, denn das Kommen des Herrn ist nahe.
Diese Verheissung ist noch nicht erfüllt. Doch wir dürfen gewiss sein, dass Christus als nächsten Schritt im Heilsplan Gottes wiederkommen wird. Lasst uns deshalb in Geduld und Glauben bleiben. Was Gott verheissen hat und was er zur Reife führt, wird zur Erfüllung kommen. Es ist Zeit der Reife – es ist Zeit zur Ernte.